Der Lindenthaler Tierpark heute

Ganz besonders Familien mit Kindern schätzen die Möglichkeit, Tiere aus der Nähe beobachten zu können, im Park zu spielen und zu verweilen. An Wochenenden und Feiertagen ist der Tierpark stark frequentiert. Viele Kindergärten, aber auch Grundschulen nutzen die kostenlose Gelegenheit, mit den Kindern in den Tierpark zu gehen, um dort den Vormittag in der Natur zu verbringen. Der Förderverein veranstaltet auf Anfrage Führungen für Schulklassen.

Der Tierbestand variiert in der Anzahl. Rund 26 Stück Damwild, 25 Ziegen, Hochlandrinder, viele Schafe, Truthähne und Truthühner, Pfauen, Wassergeflügel und verschiedene Hühnerarten sind ständig untergebracht. Darüber hinaus bevölkern so genannte „Freiflieger“, also Enten- und Gänsearten, die sporadisch zur Gast sind, den Tierpark.

Beachten Sie bitte die Hinweisschilder bezüglich der Öffnungszeiten und der Fütterungsvorgaben.
Wichtiger Hinweis zum Thema Fütterung: Mitgebrachtes Futter darf unter keinen Umständen selbst verfüttert werden! Geben Sie das mitgebrachte Futter bitte beim Personal ab. Wir prüfen es dann auf die mögliche Verwendung. Zur Fütterung darf nur das geeignete Futter aus den entsprechenden Automaten verwendet werden.

Hunde dürfen nicht in die Anlage. Fahrräder müssen geschoben werden.

100 Jahre Tierpark

Texte bis 2007: Dr. Joachim Bauer

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1908

Wenige Jahre nach Anlage des Stadtwalds, wurde Fritz Encke im Jahre 1903 Nachfolger von Gartendirektor Kowallek. 1908 wurde mit der Anlage des Tierparks, einem 8 ha großen Wildgehege, in dem bereits bestehenden Stadtwald begonnen. Der noch heute durch den Tierpark verlaufende Bach und auch der kleine Weiher basieren auf der ursprünglichen Planung von Kowallek. Das projektierte Gelände war aufgrund seiner gartenarchitektonischen Gestaltung und des Vorhandenseins von frischem Wasser für die Haltung von Tieren besonders geeignet. Das Gehege wurde zunächst nur mit Dam- und Rehwild besetzt, auf den Gewässern wurden darüber hinaus gezielt Schwäne, Enten und Wasserhühner angesiedelt.

1920

Während und auch nach dem Ersten Weltkrieg sind keine grundlegenden Veränderungen im Wildpark belegt, so dass davon ausgegangen werden kann, dass weiterhin vor allem Damwild und ggf. auch Rehwild dort gehalten wurde. Im Juli 1920 wurde mit dem Bau einer 750 m langen Kanalanlage, vom Stadtwaldweiher bis in den nordöstlichen Teil des Stadtwaldes, begonnen. Sie wurde im Winter für Schlittschuhsport und im Sommer für Kanufahrten genutzt. Der neue breite Kanal bildete nun die nördliche Begrenzung des Wildgeheges.

Man geht davon aus, dass der Charakter des Wildgeheges mit Dam- und Rehwild bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bestanden hat. Vermutlich während des Krieges wurde der Wildpark geschlossen und der darin gehaltene Tierbestand aufgelöst. Nach dem Krieg war zunächst an eine Wiedereröffnung des Wildgeheges nicht zu denken. Das städtische Grünflächenamt war vielmehr damit befasst, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und vor allem auch mit Brennholz sicherzustellen. In diesem Zeitraum wurden größere Flächen des Tierparks der darbenden Bevölkerung zur Verfügung gestellt um dort Kartoffeln und Gemüse anzubauen.

1949

Schon 1949/50 wurde die durch Bombenabwürfe zerstörte Tondichtung des Stadtwaldweihers wiederhergestellt und der Weiher wieder gefüllt. Wenige Jahre später wurden nachzuholende Auslichtungen und andere Pflegearbeiten im Stadtwald durchgeführt, so dass zum Anfang der 1950er Jahre der Stadtwald wohl wieder in seinen alten Zustand versetzt war.

1951

Ob von Seiten des Gartenamtes zu diesem Zeitpunkt schon eine Wiedereröffnung des Wildparks geplant war, ist nicht belegt, von Seiten der Bevölkerung kam jedoch die Anregung hierzu. Und so wurde 1951 der Wildpark im Stadtwald wiedereröffnet. Bevor jedoch ein Spießer und drei Muttertiere Damwild eingesetzt werden konnten, musste das Gehege mit einer 2.000 m langen Zaunanlage eingefriedet werden. Schon ein Jahr nach der Neueinrichtung des Lindenthaler Wildparks hatte sich der Bestand auf 10 Stück Damwild und 3 Rehe erhöht. Zur Belebung der Wasserflächen wurden 9 Schwäne und 30 Enten ausgesetzt. Wildlebendes Wassergeflügel war so kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Kölner Parkanlagen wohl eine Seltenheit, denn 1953 wurden über den Tierpark Hagenbeck ein paar Schwäne und Enten beschafft.

1961

Der Wildpark muss in den ersten Jahren nach Wiedereröffnung regen Zulauf gefunden haben, denn ein privater Unternehmer bot schon ab 1961, die sehr beliebten Ponyrundfahrten für Kinder am Eingang des Wildgeheges an. Um die Attraktivität des Tierparks langfristig zu erhalten, wurde festgelegt, dass ein Grundbestand an Tieren, die sich jährlich jeweils um die Nachzucht vermehren, von 4 Ponys, 20 – 25 Damwild und 30 Ziegen angestrebt werden sollte.

1985

Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht, und schon 1985 gab es 63 Damwild, 27 Ziegen, 5 Ponys und sogar noch zusätzlich 2 Pferdefohlen neben dem sonstigen Geflügel. Der Bestand an Damwild steigerte sich 1986 auf 86 und 1987 sogar auf 113 Tiere.

1991

Erst in der Mitte der 1990er Jahre konnte der angestrebte Bestand wieder erreicht werden. Durch Verkauf der überschüssigen Tiere konnte der Zwergziegenbestand schon zum Ende des Jahres 1991 auf 11 Ziegen reduziert werden. Von Dauer war dies jedoch nicht, denn schon 1996 war der Bestand wieder auf 23 Tiere angestiegen. Obwohl der Tierpark im Stadtwald bei der Kölner Bevölkerung äußerst beliebt war und bis heute geblieben ist, spiegelte sich dies nicht in der Ressourcenausstattung des zuständigen Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen wider. Die prekäre Finanzlage der Städte um die Jahrtausendwende hatte zur Folge, dass lange Zeit notwendige Investitionen für eine artgerechte Haltung und Weiterentwicklung des Tierparks aufgrund fehlender Haushaltsmittel nicht durchgeführt werden konnten. Die Grünverwaltung sah sich sogar gezwungen, aufgrund der restriktiven Einsparvorgaben den Bestand aller Kölner Wildparks in Frage zu stellen. Schon die Ankündigung dieses Vorhabens stieß bei der Bevölkerung aber auch bei den Kölner Ratspolitikern auf erhebliches Unverständnis und Protest, mit der Folge, dass dieses Vorhaben nicht weiterverfolgt wurde.

2000

Die Diskussion in der Öffentlichkeit hatte zur Folge, dass sich eine Gruppe von interessierten Bürgerinnen und Bürgern zusammengefunden hatte und im Jahr 2000 den Verein der Freunde und Förderer des Lindenthaler Tierpark e.V. gründete. Dieser Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke zur Unterstützung der Arbeit und der Instandhaltung im Lindenthaler Tierpark. Besonderes Augenmerk wird auf das Wohlergehen der Tiere gelegt. Nachdem die für eine artgerechte Haltung der vorhandenen Tiere unbedingt erforderlichen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt waren, wurde die Planung für ein neues 2.100 m großes Geflügelgehege in Angriff genommen.

2006/2007

2006/2007 konnte dieses Gehege, wiederum mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins, errichtet werden. Mit dem Neubau des Geflügelgeheges und der Sanierung des Ziegengeheges sind die umfangreichen Sanierungsarbeiten im Tierpark entsprechend des Gesamtkonzeptes abgeschlossen. Der Tierbestand in dem heute 12,3 ha großen Tierpark ist in seiner Artenzusammensetzung vielfältig und kann artgerecht gehalten werden.

2007

Der Lindenthaler Tierpark ist heute, nach genau 100 Jahren, in einem sehr guten Zustand. Die Attraktivität dieser Anlage, insbesondere für Kinder, ist immer noch so hoch, wie sie über die vielen Jahrzehnte gewesen ist.

2016

Ein professionelles Leitsystem wurde erstellt und installiert. Endlich verfügt der Tierpark über Hinweisschilder und Tier-Erklär-Schilder aus einem Guss.

2019

Der Tierpark feiert seinen 111. Geburtstag und wird dies sicher mit einigen frischen Veranstaltungen gebührend begehen.

Generationen aus Lindenthal und der gesamten Stadt kennen und lieben den Tierpark im Stadtwald und freuen sich über das 100-jährige Bestehen!

1895 erwarb die Stadt das Areal zwischen Dürener- und Aachener Straße, zwischen der Kitschburger Straße und dem Militärring, um dem Stadtteil den Charakter eines „grünen Vororts“ zu geben. Innerhalb von 3 Jahren legte man nach Entwürfen von Adolf Kowallek den Stadtwald als Park an mit unregelmäßiger Grundrissgliederung, mit Weiher und Wildgehege.

Den Stadtvätern von damals gebührt Dank für die Einsicht, dass die mit großem Tempo wachsende Stadt Grüninseln brauchte, weil die Stadtentwicklung natürlich gewachsene Lebensräume zerstörte und vor allem in der Innenstadt nur technisch betonte Monotonie übrigließ.

Heute wissen wir mehr über die Bedeutung des Grüns in unseren Städten, nicht nur für Erwachsene, sondern vor allem für Kinder. Eine Kindheit in der Stadt ist für Pänz mit vielen Verboten verbunden; Kinder brauchen aber Auslauf. Erde, Wasser, Bäume, Gras und Tiere müssen von ihnen entdeckt werden können, nicht nur wegen der daraus entstehenden positiven Beziehung zu ihrer Umwelt, sondern um glücklich zu werden. Die schlechte Finanzlage der Stadt stellte auch den Tierpark vor einigen Jahren in Frage.

In einem beispiellosen Gemeinschaftswerk von Förderern und Politikern im Stadtbezirk gelang es, den Tierpark zu erhalten und weiter zu entwickeln. Jeder Besucher kann heute die Erfolge dieses bürgerschaftlichen Engagements sehen und genießen und deshalb gebührt an dieser Stelle dem Motor des Fördervereins, Heribert Resch, ein großes Kompliment und Dankeschön für seinen Einsatz. Köln braucht dringender denn je – Stichwort Umweltzone – die Grüngürtel und den Stadtwald und daher der Appell, diese einmaligen Anlagen zu erhalten, damit Generationen nach uns ebenfalls runde Geburtstage feiern können.

Mit den besten Grüßen und Glückwünschen

Ihre Helga Blömer-Frerker

 

Helga Blömer-Frerker

Der Lindenthaler Tierpark wird 100 Jahre!

Anfang des letzten Jahrhunderts, genauer gesagt 1908, wurde im östlichen Teil des Stadtwaldes, der ca. 200 ha umfasst, ein etwa 8 ha großes Wald- und Wiesenareal zu einer Tierfreianlage umgestaltet. Umgeben von Natur, dem Kahnweiher mit seiner Vogelschutzinsel nebst Kanal, zahlreichen Laubbäumen und vielen verschiedenen Gehölzen stellt der Lindenthaler Tierpark ein Kleinod in Köln dar.

Jedes Jahr nutzen viele Menschen diesen Ort als Ziel für Entspannung und den Kontakt mit Fauna und Flora. So wie bei uns im Zoologischen Garten Köln, so sind es auch hier die Pflanzen und Tiere, die die Menschen in ihren Bann ziehen. Es ist überaus wichtig, gerade im städtischen Bereich, dass die Menschen den Bezug zur Natur nicht verlieren und Orte der Ruhe und Erbauung finden. Ein Rudel Damwild, Ziegen, Schafe sowie zahlreiche Hühnervögel werden im Lindenthaler Tierpark gezüchtet, und man ist stets bemüht, diesen Pfleglingen bestmögliche Haltungsbedingungen zu bieten.

Im Oktober 2000 gründete sich der Verein der Freunde und Förderer des Lindenthaler Tierparks. Wiederum eine Parallele zum großen Kölner Zoo, auch hier waren es Bürger, die Engagement zeigten und die Initiative ergriffen.

Beide Institutionen stehen seit Jahren in Kontakt, und es würde mich freuen, wenn sich dieser noch intensivieren ließe. Wir vom Zoologischen Garten Köln, der übrigens in ein paar Jahren sein 150-jähriges Bestehen feiert, sind immer zu einer Kooperation und Hilfestellung bereit. Es ist schön, dass es auch noch andere Menschen gibt, die sich für Tiere und zum Wohl der Menschen dieser Stadt und der Region einsetzen.

Ich möchte dem Lindenthaler Tierpark und seinem Förderverein auf diesem Weg alles Gute wünschen. Machen Sie weiter so, Sie sind auf dem richtigen Weg.

Mit den besten Wünschen

Dr. Theo Pagel

 

Dr. Theo Pagel

100 Jahre Lindenthaler Tierpark, das muss gefeiert werden!

Köln kann stolz sein auf seinen Wald. Nicht viele Städte im dichtbesiedelten NRW verfügen über rund 4500 Hektar eigene Waldfläche. Eine geradezu lebenswichtige grüne Lunge in Zeiten zunehmender Umweltbelastungen durch unterschiedliche Verursacher.

Neben dem ökologischen Wert spielt der Erholungsaspekt für die Bevölkerung eine ganz wichtige Rolle. Hierbei sind in erster Linie die in dieser Waldfläche angelegten Kölner Tierparks zu nennen, die außer dem Naturerlebnis an sich auch einen pädagogischen Auftrag erfüllen. Vornehmlich den Kindern wird neben der Flora auch die Fauna in urbanen Waldlandschaften näher gebracht.

Eine Sonderstellung nimmt der Lindenthaler Tierpark ein. Bedingt durch seine Lage nahe den Wohngebieten ist er ein gelungenes Beispiel stadtplanerischen Weitblicks der verantwortlichen Personen in Politik und Verwaltung früherer Generationen. Aber auch in der Jetztzeit wird eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Tierparks, trotz zwischenzeitlicher Turbulenzen, nicht zuletzt durch die Hilfe des Fördervereins, erreicht.

Fördern kann man nur, wenn die finanzielle Grundlage dazu vorhanden ist oder geschaffen wird. Die Hilfestellung, die der Förderverein der Stadt als Träger des Tierparks gibt, fokussiert sich überwiegend auf die Kostenübernahme bei investiven Maßnahmen. Voraussetzung ist immer wieder, dass es gelingt, eine Vielzahl von Möglichkeiten der Refinanzierung zu erschließen und konsequent zu nutzen. Kein leichtes Unterfangen in Zeiten knapper Kassen. Um so dankbarer sind wir den vielen Firmen, der Bezirksvertretung Lindenthal und den Privatpersonen, die ein offenes Ohr haben, wenn wir (wieder) um Unterstützung bei der Umsetzung von Einzelprojekten bitten.

Weit über Hundert Mitglieder im Förderverein leisten mit Rat und Tat einen wesentlichen Beitrag bei der Realisierung von meist kostenintensiven Ideen zur Optimierung der Tieranlage. Die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung motiviert uns, Motor zu sein bei der Fortführung unserer Arbeit zum Wohle von Mensch und Tier.

Den Inserenten in dieser Jubiläumsbroschüre danken wir für die Unterstützung bei der Erstellung der Dokumentation. Ein spannendes Spiegelbild der letzten 100 Jahre. Es veranschaulicht, dass die Menschen früherer Generationen genau so fasziniert waren vom Lindenthaler Tierpark wie die vielen Tausend Besucher heute.

Wir sagen dem Tierpark eine gute Zukunft voraus und sind stolz darauf, dazu beitragen zu können.

Ihr Heribert Resch

 

Herribert Resch